Der „Adler“ im Juli 2010

Auszeichnung „Historische Wirtshäuser in Deutschland“ des Bund Heimat und Umwelt (BHU)

Beim Bundeswettbewerb „Historische Wirtshäuser in Deutschland – Tradition, Atmosphäre und gute Küche“ des Bund Heimat und Umwelt (BHU) wurde der ADLER 2009 als einzige saarländische Gaststätte ausgezeichnet – und als eine von nur 40 Gaststätten bundesweit!

Von 415 bundesweiten Bewerbungen hat eine Jury – bestehend aus u.a. Denkmalpflegern und Gastronomen – 40 besonders erwähnenswerte Wirtshäuser ausgewählt. Gesucht wurden Wirts- und Gasthäuser mit Tradition, um so die beeindruckende gastronomische, kulturelle und bauhistorische Vielfalt Deutschlands aufzuzeigen.

Weitere Infos finden Sie auf den Webseiten des Bund Heimat und Umwelt (BHU).

Das Gasthaus „Zum Adler“ in der Deutschherrnstraße 2 kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Es ist um 1750 im Zuge des Stadterneuerungsprogramms von 1748 unter Fürst Wilhelm Heinrich, vermutlich nach Plänen des Nassau-Saarbrückischen Generalbaudirektors Friedrich Joachim Stengel (1694–1787) am Ende der damaligen Vorstadt errichtet worden und wurde seither kontinuierlich als gastronomischer Betrieb genutzt. Der „Adler“ kann daher als das älteste noch existierende Gasthaus in Saarbrücken bezeichnet werden. Heute ist das Anwesen in die Saarländische Denkmalliste aufgenommen und als Einzeldenkmal ausgewiesen.

ADLER – Gebäude im 19. Jahrhundert

Der „Adler“ im 19. Jahrhundert vor den Umbaumaßnahmen

Das Gebäude

Das zweigeschossige Traufenhaus mit Mansarddach und linksseitigem Wirtschaftsflügel besitzt heute sechs Fensterachsen, von denen die vierte und sechste Achse durch je eine Tür im Erdgeschoss gegliedert sind. Aus der „Stengel-Zeit“ sind jedoch nur die vier Achsen der rechten Haushälfte, in deren äußerste spätestens 1894 die zweite Tür gebrochen wurde. Das Hauptportal weist einen Schlussstein im Stichbogen sowie eine horizontale Verdachung mit seitlichen Lisenen auf. Insgesamt folgt die wohlproportionierte Hausarchitektur den für Stengel charakteristischen Gestaltungsformen: Elemente wie profilierte Stichbogenfenster, Eckrustika und Mansarddach sind wie bei den großen Palais-Bauten um die Ludwigskirche bestimmende Architekturelemente.

1877 erfolgte eine Umgestaltung des Wirtschaftstraktes an der linken Hausseite, 1881–82 wurde dieser aufgestockt und zu Wohnzwecken umgebaut. Schon 1880 war für den Heyerschen Brauereibetrieb in der hinteren Hälfte des Grundstücks anstelle eines älteren Schweinestalls ein Pferdestall mit Dunggrube errichtet worden. Der große, gewölbte Keller unter dem“ Adler“ stammt möglicherweise – wie schon Dieter Heinz vermutete – von einem Vorgängerbau.

Umgebung

In unmittelbarer Nähe lag das im Mittelalter errichtete Saarbrücker Hospital mit Friedhof. Es lag aus hygienischen Gründen selbst noch 1761, bei Verlegung des Stadttors, außerhalb der Stadt. Laut Nassau-Saarbrückischer Tractuskarte befand sich dem „Adler“ gegenüber ein weiteres Gasthaus, das „Wirthshauß zum Printz“ , das spätestens ab 1791 der fürstliche Kammerdiener Wahlster betrieb. Hinter dem „Adler“, in der Gärtnerstraße, wurden im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts drei barocke Gartenpavillons errichtet: Pavillon Stichling, Pavillon Spahr und Pavillon Träger (erst in unserem Jahrhundert abgebrochen). Westlich lag der am 2. Mai 1779 eingeweihte Friedhof am Donnelfeld, der als Erweiterung zu den Friedhöfen gegenüber, am Fuße des Trillerhangs, eingerichtet worden war. Er erstreckte sich zwischen „Adler“ und“ Mohlstadter Weg“, an dem das Glöckner- bzw. Gießhaus lag. 1851 wurde der Friedhof am Donnelfeld geschlossen und auf diesem Gelände in den 1880er Jahren die Dragonerkaserne mit Reitplatz erbaut.

Die Lage des „Adlers „ vor den Toren der Stadt direkt an Spital und Friedhöfen sowie der vermutete Vorgängerbau, der eine spezielle Funktion gerade dieses Ortes schon im Mittelalter wahrscheinlich macht, legt den Schluss nahe, dass er früher als Friedhofsgaststätte genutzt worden sein könnte, in der im Anschluss an Begräbnisse Leichenschmaus und -trunk gehalten wurde.

Pächter und Bewohner

Johann Christian Knipper

Johann Christian Knipper (1786–1861)

Die Straße vor dem 1761 errichteten Vorstadter Stadttor mit Wachthaus hieß ursprünglich „Zum Hahnen“ und wird auch noch im 19. Jahrhundert als „Hahnenstraße“ geführt. Der „Adler“ hatte bis mindestens 1855 die Adresse Hahnenstraße 127. Vermutlich zwischen 1860 und 1880 findet eine Straßenumbenennung statt, denn in den Adressbüchern der Stadt Saarbrücken von 1875 und 1880/84 lautet die Adresse des im „Adler“ eine Brauerei betreibenden Bierbrauers Rudolf Heyer Gersweilerstraße 1. Erst ab dem Jahr 1886 hat der „Adler“ die Adresse Deutschherrnstraße 2, die er auch bis heute beibehalten hat. In den 1760er Jahren lässt sich erstmals ein Wirt, Jakob Johler, nachweisen. Bei ihm wohnte als Dauergast vom 3. Juli 1764 bis zum 1. Oktober 1765 der Glockengießer Johann Christoph Klein, der die Glocken für die neuerbaute Ludwigskirche im nahegelegenen Glöcknerhaus zu gießen hatte. In den erhaltenen Rechnungen und Quittungen von 1764 wurde mit dem „Wirth dahier“, Jakob Johler, „wegen Stellung des dem ged. Klein versprochenen Logis dahin accordiret, dass derselbe ihm sein auf seinem Hinterhaus habendes Zimmer mit Bett, Tisch und Stühlen einräumen und den Gebrauch seiner Waschküche gestatten solle [...]“.

Um 1780–82 gehörte das Anwesen, laut Nassau-Saarbrückischer Tractuskarte zunächst Ludwig Loew, der um 1782 verstarb und das Erbe somit zu gleichen Teilen in den Besitz seiner drei Kinder Augustin, Ludwig und Dorothea überging. 1793 war laut Adolph Köllner dann Mathias Loew „Adler“-Wirt, der „das Wirthshauß zum Adler nebst den dazugehörigen Gebäuden“ auch besaß.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging der „Adler“ in den Besitz der Familie Knipper über: Er wurde von dem in Harskirchen geborenen Zimmermeister Johann Christian Knipper (1786–1861) betrieben, einem Bruder des Saarbrücker Baumeisters Johann Adam Knipper d. J. (1784–1870), welcher in der Vorstadtstraße 57 ein großbürgerliches Anwesen mit prächtigem Terrassengarten zum Trillerhang hin besaß. Johann Christian Knipper gilt als der Gründer der Brauerei „Zum Adler“ und von 1835–1855 kann durchgehend auch eine Schanklizenz nachgewiesen werden. Nach Angaben von Dieter Heinz lebte Knippers Tochter Sophie (1821–1904), verheiratete Gottlieb, mit ihrer Familie beim Vater im „Adler“. Nach Knippers Tod 1861 und dem seiner Frau zwei Jahre später erwarb der Bierbrauer Rudolf Heyer spätestens 1875 von den Knipper-Erben den „Adler“ und betrieb hier eine Bierbrauerei. Erst ab 1888 lässt sich auch bei ihm eine Nutzung des „Adlers“ als Wirtschaft nachweisen: Er wird wird nun als Bierbrauer und Wirt bezeichnet. Neben einem weiteren Bierbrauer, Johann Keßler, beschäftigte er jetzt auch zwei Knechte sowie einen Untermieter, den Pensionär Johann Buschjäger, der für Heyer als „Zäpfer für Rechnung von Eigentümer“ arbeitete. Eine Lindenallee führte damals zum „Adler“, der den Saarbrückern als nahes Ausflugslokal gedient haben dürfte.

Die Brauerei Heyer war ein mittelgroßer Betrieb, dessen Malzverbrauch sich, so Fritz Kloevekorn, 1873 auf 520 Zentner belief. Im Jahr 1907 gründete Rudolf Heyer zusammen mit seinem Bruder, dem Kaufmann Friedrich (Fritz) Heyer, das Unternehmen „Gebr. Heyer. Adlerbrauerei“ , die das „Adler-Bräu“ produzierte. Schon drei Jahre später konnten sie die Firma weiter ausbauen und betrieben zusätzlich eine „Mineralwasserfabrik“ sowie eine“ Großhandlung natürlicher Mineralwasser‘ in der Deutschherrnstraße 2. Vierzehn Jahre später, im Jahr 1924, wurde der Brauereibetrieb jedoch eingestellt und bis 1926 nur noch die Mineralwasserfabrik weitergeführt. Rudolf Heyer nannte sich nun Unternehmer und ab 1927 unterhielten die „Heyer Gebr.“ im „Adler“ schließlich eine Handelsvertretung für Bier und Mineralwasser. Ab 1939 führte Fritz Heyer die Firma alleine weiter.

Frederike Müller und Christof Trepesch

Zeichnung historisches Gebäude